ICh sehe Dich

Das Trauergespräch

Sie trauern vielleicht gerade, fühlen sich leer und dennoch überladen von Gefühlen von Wut, Angst, Scham, Trauer.

Das Gefühl Trauer hat viele Gewänder. Trauer will gesehen werden, will sich ausdrücken können, will erinnern, an das, was wichtig war, was Wert hatte.
Trauer hat aber auch die Kraft, Sie wieder aufzurichten, Mut und Boden unter den Füssen zu geben.

Auf diesem Weg möchte ich Sie begleiten und Ihnen die vielen möglichen Farben der Trauer zeigen

Deine Trauer ist wichtig. Jede Trauer verläuft anders. Trauer wird von vielen als Prozess beschrieben, der sich in der Rückschau
als geschwungene Linie darstellt und das Erleben immer wieder anders beschrieben wird. Wichtig dabei bleibt, sich diesem
Gefühl und dem, was noch an Gefühlen darin mitschwingt, zu stellen. Auch, wenn es sehr schwer erscheint. Sich zu stellen heißt,
in diesem Moment, sich selbst zu sehen und einzugestehen „ich bin jetzt traurig“. Diese angespannte Ruhe aushalten, auszuhalten,
jetzt nichts tun zu können. Erinnern, das Schmerzliche, aber auch das Schöne, das war kann helfen. Gefühle schriftlich zu beschreiben
kann helfen. Jemanden anrufen- kann helfen.

Trauer will gesehen werden, will ausgedrückt werden. Not-wendig, weil es die „Not wendet“, ist es, diesem Gefühl Ausdruck zu verleihen und
über das, was nicht mehr ist, immer und immer wieder zu sprechen. Oder kreativ zu werden – Briefe zu schreiben, Bilder zu malen.
Warum? Wir haben verlernt zu trauern. Der Aktivismus „schnell eine Lösung“ für eine unklare Situation herbeizuführen, steckt in uns allen.
Ein Gefühl, das zum Leben gehört wird tabuisiert. Trauernde fühlen sich alleine gelassen, unverstanden und verpflichtet sehr schnell wieder
„normal“ zu werden.

Diesem Gefühl, Deiner Trauer kannst Du vertrauen! Es hat die Kraft und Möglichkeit dich wieder aufzurichten, dir Kraft zu schenken dein Leben
anders, aber neu leben zu dürfen.





Interview mit Markus Pletz

Im Bezug auf Trauer hört man oft die Redewendung „die Zeit heilt alle Wunden“. Heilt die Zeit wirklich?
Im Thema Trauer und Verlust heilt die Zeit alleine nicht. Dies zu Hoffen verschiebt die Trauer und dem Menschen, der nicht mehr da ist, nur ins Vergessen.
Oft versucht der Aktivismus mit Ablenkungen und Konsumgütern den Schmerz des Erinnerns und das Wahrnehmen, das ein Mensch fehlt, zu Überdecken.
Das mag einen ganze Weile gutgehen.
„Können sie das wegmachen“? Dieser Wunsch bezieht sich auf die eigenen Tränen, die Trauerende bei der Schilderung des Verlusterlebens an sich selbst erleben. Trauer als das blockierende Gefühl zu brandmarken ist fatal. Der gelebte und guter Zugang wäre freilich, das das Gefühl Trauer immer ein Stück mit uns zieht, kommen und gehen darf, und sich so ins Leben integrieren lassen kann.

Gibt es „die Trauer“, dessen Verlauf vergleichbar ist, oder gibt es Unterschiede?
Jeder Mensch ist einzigartig und somit ist auch die Art und Weise seiner Trauer einzigartig. Die Art der Trauer steht auch in Abhängigkeit zu der Art und Weise des Abschiedes. Ein langer Krankheitsprozess birgt als Beispiel eine Art der Vorbereitung auf den Abschied, im Gegensatz zu der Situation, in dem der Abschied plötzlich kommt, ohne die Möglichkeit des Abschieds. Als Hilfe kann hier die Trauerkurve von Verena Kast dienen. Diese Kurve wurde aus vielen Sterbe und
Trauerbegleitungen heraus entwickelt, und lässt den Prozess greifbarer werden und visualisiert die mögliche Veränderungen, die auf dem Weg beobachtet
werden können. Diese Kurve kann einen Aufschluss darüber geben, wo sich der Trauernde sich gerade befinde. Einen klaren Ablauf gibt sie aber nicht vor.

Wie sieht eine Begleitung bei dir aus?
Ich biete entlastende Einzelgespräche, aber auch Wochenendseminare und Begleitung auf Zeit an. Nach einem ersten, unverbindlichen Gespräch können wir
zusammen vereinbaren, was hilfreich ist.

Ist es möglich den Prozess der Trauer abzukürzen?
Eine kleine Geschichte dazu:
Sie stand einfach vor meiner Tür. Keine Ahnung woher sie kam -diese kleine, dicklich, schick gekleidete Englische alte Dame. Keine Ahnung warum,
aber ich ließ sie herein und sofort wollte sie Tee und einen Keks und meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Wir schauten uns zusammen Bilder von früher an
und sprachen einfach. Und dann war sie einfach wieder weg. Sie kam immer, aber ohne Vorankündigung, wir saßen manchmal nur da, tranken Tee oder
räumten die Wohnung auf. Sie wurde energisch, in den Tagen, als ich wirklich nicht wollte, aber ich stellte fest, dass es mir nach ihrem Besuch eigentlich besser
ging, als vorher. Eins weiß ich jetzt: sie kommt wieder! Es ist ihr egal, ob aufgeräumt, oder ich beschäftigt bin. Sie fordert Aufmerksamkeit ein und möchte
„gesehen werden“. Wenn ihr dies gegeben wird verschwindet sie auch wieder

Ich mag diese Geschichte. Sie visualisiert für mich anschaulich die Achtsamkeit und die Möglichkeiten, die im Umgang mit sich selbst und den eigenen
Gefühlen möglich ist. Und das es wichtig ist, gerade das Gefühl der Trauer nicht einfach wegzudrücken. Trauer will gesehen werden.
Klar, in der ersten akuten Trauerphase, kommt keine Dame. Für dieser Zeit wünsche ich jedem Trauernden, das er Freunde an der Seite hat, die kommen
und mit einfach mitweinen können, zuhören, keine Erwartungen stellen. Es gibt hier in Berlin und vielen anderen Städten unterschiedliche Anlaufstellen,
die in der ersten Phase der akuten Trauer für 24 Stunden pro Tag genutzt werden können. Telefonischer Krisendienste, Seelsorge-Telefon,
Akutambulanzen von Psychiatrischen Krankenhäusern (Zuständigkeit nach Postleitzahl der Meldeadresse)

Was räts du Trauenden, die von ihrem Freundeskreis gemieden werden?
Trauernden ist das schlimmste passiert, vor dem sich die anderen instinktiv zurückziehen, weil sie sich mit der eigenen Sterblichkeit konfrontiert sehen.
Ein Fehler, aus meiner Sicht, da wir alle früher oder später bewusst Abschied nehmen müssen. Die Gesellschaft könnte soviel lernen von Trauernden.
Wenn es schwer ist im Bekanntenkreis, oder sogar gar keinen Austausch gibt, gibt es im Netz mehrere Möglichkeiten zu Austausch für Gleichgesinnte, verwitwet.de ist eine gute Adresse, die rund um die Uhr Möglichkeiten für Austausch bietet. Offline laden in größeren Städten Trauer Cafés zu Kontakt und offenen Möglichkeiten. .

Warum setzt du deine Kamera im Gespräch ein?
Das geschieht nur nach Absprach und Wunsch. Die Kamera ist nicht automatisch bei jedem Gespräch dabei.
Die Kamera würde bei Wunsch die gesonderte Position des stillen Beobachters einnehmen.
Ich habe eine Technik bei Fotografieren entwickelt, die es mir erlaubt, 100% am Gespräch beteiligt zu sein und trotzdem fotografieren zu können.
So entstehen Bilder, die die charakteristische Momente des Gespräches dokumentieren, die Dir zeigen „das bin ich-jetzt“! Die Bilder zeigen Dir
die Veränderung, der Du Dich stellst. Mir wurde das bisher als tröstlich von Teilnehmern wiedergeben.
Bildbeispiele dazu findest Du weiter unten.

Wie lange dauert der Trauerprozess?
Heute sagt man häufig, nach etwa einem Jahr, dem sog. Trauerjahr, sei die (akute) Trauer abgeschlossen. Dies kann aber auch nur nach außen
so wirken. Ich denke jedoch, Trauer ist kein abgeschlossener Prozess, sie verändert sich, als Gefühl begleitet sie uns in unserem Leben auf
vielfältige Weise und bleibt immer irgendwie vorhanden. Als Sehnsucht, als Erinnerung und manchmal auch als Triebfeder für Kreativität und Entschlossenheit.
Der englische Autor C. S. Lewis beschreibt in seinem Buch „über die Trauer“ sein wachsendes Vertrauen dem eigenen Trauerprocess gegenüber, den er als ihn führenden Process Vorgang erlebt.

Auch nach Jahren können Trauergefühle plötzlich wieder auftauchen – bei Familienfeiern oder Hochzeiten, also in emotionalen Momenten, oder einfach
so sich in eine Stimmung mit hineinmischen. Hier gilt es, ganz persönliche Antworten zu finden und damit die Möglichkeit zu haben den Verstorbenen gut im eigenen Leben zu integrieren und ihm dort einen Platz zu geben. 
Alles in allem bleibt der Verlust immer bestehen, wir lernen nur mit der Zeit, ihn in einem anderen, weniger schmerzhaften Licht zu sehen und in unsere Lebensgeschichte zu integrieren. Aus meiner eigene Erfahrung weiß ich „Mein Vater ist immer noch tot und ich vermisse ihn ständig. Daran wird sich nichts ändern. Ich kann nur lernen, einen Weg zu finden, damit zu leben und ihn nicht zu vergessen.“
Im Buch „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ lässt der Autor die Protagonistin sagen: Was hilft gegen die Trauer. Worte? Aber wir haben ja nichts anders.

Du bietest Trauercoaching an! Wie bist Du dazu gekommen?
„Was bleibt von mir, wenn ich nicht mehr da bin?“ Das war eine Frage, die mir auf einem langen Schneespaziergang in den Sinn kam. Jahre zuvor hatte ich als Krankenpfleger im Rahmen
meiner Tätigkeit auf der Onkologie essentielle Erfahrungen und Erkenntnisse in der Begleitung von kranken Menschen machen dürfen.
Auf der Suche nach einem Thema als Diplomarbeit, kam ich so auf diese Buch Idee. Mir war wichtig zu zeigen, dass es nicht den „richtigen“ Weg gibt, dass Trauer ein Prozess ist, der gelebt
werden will, und Trauer Ausdruck brauch. Im Rahmen meiner systemischen Coachingtätgkeit jetzt nutze ich Teile der Methoden, die ich damals bereits intuitiv angewandt habe.


Das Buch „Wege der Tauer“ von Markus Pletz

In vielen Gesprächen mit Trauernden, in denen es um die Erinnerung
und das Erleben der Gegenwart ging, habe ich nach Möglichkeiten gesucht,
das Wahrgenommene zusätzlich mit meiner Kamera in Bildern zu fassen.
Die Gespräche und Bilder wurden gesammelt und erschienen 2003
im meinem Buch „Wege der Trauer“ im Gerstenberg-Verlag.

Trauer gehört zum Leben.

Der Verlag über das Buch: „Unaufdringlich und mit sensiblem Gespür für die richtigen Fragen lässt Markus Pletz Trauernde von ihrem persönlichen Umgang mit dem Verlust
erzählen. In zwölf Gesprächen und vielen Fotos porträtiert er Menschen,
die ihren Lebenspartner verloren haben.
Das Buch zeigt die unterschiedlichen Wege der Trauer und die schmerzlichen,
oft verzweifelten Prozesse des Abschiednehmens. Es dokumentiert aber
auch die entschlossene Lebensbejahung derer, die gerade durch die
Trauer ins Leben zurückgefunden haben. Die Gespräche machen deutlich,
wie wichtig es ist, die Erinnerung an den Verstorbenen lebendig zu halten,
denn gegen die Erinnerung ist selbst der Tod machtlos.

Ein Buch über Trauer, das Mut macht, ohne den Schmerz klein zu reden.“

Das Buch erschien 2003 im Gerstenberg-Verlag.
Das Buch ist noch immer erhältlich. Link


Die hier gezeigten Bilder sind dem Buch „Wege der Trauer“ entnommen.
Die Bilder entstanden wärend, oder nach den Gesprächen mit Trauerenden.


Der Mann von Traudel A. war Fluglehrer und Extremkunstflieger.
Er stürtze mit seiner Maschiene auf einer Flugshow ab, als sich auf
unerklärliche Weise ein Flügel der Maschiene löste.
Traudel A. war selbst Kunstfliegerin. In dieser Passage des Gepräches
ging es um die Frage, ob sie irgendwann wieder ihrer Leidenschaft
nachgehen will.

Später schrieb sie mir, nach dem sie die Bilder aus den Gespräches
erhalten hatte das sie das Gefühl habe, bei Berühren des Papieres
die sinnliche Verbindung zu ihrem Partner spüren.

Der Mann von Ingeborg begann Suizid. In den ersten Tagen stellte sie eine Kerze auf dem Balkon. Die Kerze verlosch trotz Strum und Regen nicht. Dadurch bekam sie den Eindruck, ihr Mannes wolle sehen, wie es ihr ginge.
Ihr half bei der Umgestaltung der Wohnung, sich kleine Ziele zu setzen und dazu Freunde einzuladen.

Gemeinsam erlebten Ulla E. und ihr Lebenspartner nach der Dagnose ALS aktiv ihre noch verbleibende Zeit. Ulla beschrieb ihre Situation: Wir nutzen noch jede uns verbleibende Sekunde aus. Uns wurde in der Zeit bewusst und erfahrbar, das Leben und Tod, Lachen und Weinen zusammen gehören.

Der Mann von Ingeborg begann Suizid. In den ersten Tagen stellte sie eine Kerze auf dem Balkon. Die Kerze verlosch trotz Strum und Regen nicht. Dadurch bekam sie den Eindruck, ihr Mannes wolle sehen, wie es ihr ginge.
Ihr half bei der Umgestaltung der Wohnung, sich kleine Ziele zu setzen und dazu Freunde einzuladen.

Angebot

Ich sehe Sie mit Ihrer Trauer

Ich biete Einzelgespräche und zeitliche Begleitungen an. Ich höre gerne aktiv zu;
bedeutet, ich gehe auf das, was Sie mitbringst behutsam und wertschätzend ein,
biete Hilfestellungen an. Dies geschieht immer in einem ruhigen und geschützen
Rahmen. Die Kamera kann auf Wunsch hinzu genommen werden, generell ist sie
nicht dabei

Was möglich ist:

Schreiben Sie mir einfach. Das erste Gespräch per Telefon oder Zoom
hat keine Kosten und dauert 45 Min. Dadurch entstehen keine Verpflichtung,
wir können aber sehen, was danach möglich werden könnte.





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