Mehr Zeit für Dich!

Warum tun wir uns manchmal so schwer mit Entscheidungen?

Eine Frau sieht einen Mann auf der Strasse sitzen, dem es augenscheinlich schlecht geht. Sie spricht dem Mann an, er vereint die das Hilfeangebot.
ihrer Intuition heraus entscheidet sich und ruft einen Krankenwagen. Der Wagen kommt, der Mann wird mitgenommen.
Nun kommen ihr Zweifel, sie wirft sich vor, den Mensch bevormundet zu haben. Mit diesen Fragen bittet sie telefonisch um Hilfe.
Diese Angst vor der Bevormundung kann schnell entkräftet werden. Eine RTW Fahrzeug nimmt selten einfach jemanden mit, wenn es nicht triftige Anhalte dafür gibt. Selbst-Gefährdung, Gesundheitsbedrohliche Situationen, die falsch eingeschätzt werden, oder Personen, die für andere zur Gefahr werden.
Die Zweifel an der Richtigkeit des Verhaltens im Rahmen von geleisteter Hilfe für Andere halten sich oft jedoch standhaft. Das ist schade.
Manchmal sind wir von Dingen und Sachen, sei es auch nur kurz, einfach überzeugt. Daraus erwächst Sicherheit, die in einer spontanen Handlung mündet.
Kommt dann Druck von außen, oder die allzu kritische Selbstreflektion hinzu, stellen sich schnell Zweifeln und Unsicherheit ein. Dieser Vorgang schürt Unsicherheit und Angst, was verhindert, weiter in Handlung zu kommen, oder zu den getroffenen Entscheidungen zu stehen. Oft entstehen Zweifel vor der Ungewissheit, Furcht zu versagen, das Ansehen zu verlieren.
Letztlich ist es die Angst davor, Verantwortung für das eigene Handeln und für Entscheidungen zu übernehmen. Doch was macht die getroffene Entscheidung für einige eigentlich so schwer verdaulich? Ist es die Befürchtung, für eine getroffene Entscheidung weniger gemocht zu werden? Oder der vermeintliche Kontrollverlust, weil wir uns auf unbekannten Terrain in uns selbst unsicher fühlen?
Entscheidungen, die unbewusst, aus einer Intuition heraus getroffen wurden, werden treffend als “aus dem Bauch heraus” beschrieben.
Das Enneagramm spricht hier von Kopf-Herz- und Bauchzentren. Das Bauchzentrum, im Gegensatz zu Kopfzentrum trifft Entscheidung impulsiv.
“Wenn es sich richtig” anfühlt” beschreibt die Impulskraft des Bauchzentrums. Die Bewertung einer Entscheidung, “ob es richtig war”, “ob es Sinn hat”
liegt im Kopfzentrum. Das Kopfzentrum urteilt mit Klarheit und Berechnung, zieht Eventualitäten mit ein und fühlt sich erhaben, Entscheidung der
Baucheben zu kritisieren. Die oft beschriebene Einheit von Körper Geist und Seele ist damit dahin. Hilfe kann hier seine Entscheidungen nicht zu hinterfragen. Grübeln hilft leider nicht und Fragesätze, die mit “warum” beginnen, führen Dich in die Irre.

Ein buntes Theater!

Spätestens bei der nächsten wichtigen Entscheidung sind sie plötzlich wieder alle da: wild umher schreiend, Krach schlagend, leise wimmernd – die Stimmen im Kopf. Alle sind da, um ihr Recht auf Gehör einzufordern und ihre Meinung zu der anstehenden Frage zu äußern.
Wie soll es dabei möglich sein, einen klaren Kopf zu behalten. Die Meinungen und Ideen gehen wild durcheinander, Standpunkte liegen weit auseinander. Bei all dem schillernden Geschrei und Gegeneinander eine tragfähige Entscheidung treffen zu können, scheint fast nicht möglich. Da ist der Vergleich mit einem Theater treffend. Wo, aber bitte, ist der Theaterdirektor, um im Durcheinander eine Richtung vorzugeben? Wieso erscheint es so schwer, einen Entschluss zu fassen?

Friedemann Schulz v. Thun beschreibt dieses Phänomen der inneren Stimmen, als ein Stimmengewirr sich äußernde Entscheidungsgewalten im Körper. Diese habe eine teils lange Entwicklungsgeschichte in uns. Sie stehen für die eigenen gefestigten Überzeugungen und für das Wissen von der Welt und für meine Entwicklung.

Entscheidend ist, die eigenen Stimmen nicht zu verurteilen, zu verdrängen. Schulz v. Thun gibt diesen Stimmen eine erdachte Bühne und einen Platz in einem fiktiven Theater.
Auf diesen erdachten Brettern stehen nun die einzelnen Stimme; die Lauten und Starken vorn am Rand oder in der Mitte der Bühne, die Leisen und Unterdrückten suchen ihren Platz hinten.
Den einzelnen Stimmen respektvoll Raum und Gehör zu geben, ist die spannende Arbeit mit dem “Inneren Team”. Wo sitzen die blockierenden, die stummen, aber auch die warnenden Stimmen?
Wo könnten Synergien entstehen, sich sogar Mehrheitsverhältnisse ergeben in Zustimmung oder Vorbehalten?

Schnell wird klar, dass ein wohlwollendes Wahrnehmen der unterschiedlichen Impulse zu einer Klärung führen kann. Schreibe Aussagen und Impulse auf ein Papier. Ist es möglich zu klären, wo der Impuls herkommt – aus Dich prägenden Erfahrungen, wichtigen Entscheidungen, durch Aussagen über Dich, oder vagen Annahmen. Notiere dies auch. Gib den Stimmen einen wertschätzenden Namen und Aussage. Notiere dies ebenfalls. Lässt sich hier durch das Zusammenführen gleicher Aussagen schon eine mögliche Tendenz oder Mehrheit erkennen? Kommentiere nicht negativ einzelne Aussagen, sammle und führe zusammen. Alles ist in Dir und darf sein. So wird es möglich, das innere Gegenspieler, die voneinander nichts wissen (wollen),
miteinander in guten Kontakt kommen .

Wie aber kommt es dann zu der gewollten Entscheidung?
So, wie jedes Theater einen Direktor hat, bist Du bei diesem Auftritt der Stimmen im Kopf der eigene Direktor mit Führungskompetenz. Gibst Du der Vorstellung einen Titel? Wie sind die Mehrheitsverhältnisse? Als Programmdirektor hast Du die Aufgabe eine spielbares Ensemble zu präsentieren. Gefällt Dir die Aufführung? Mit welche Sätzen melden sich welche Mitspieler zu Wort? Welche Mitspieler sind besonders laut, welche Mitspieler leise und sollten gefördert werden?

Entscheidungen zu treffen kann ein schwieriges, aber wertvolles Abwäge sein. Das “Innere Team” bietet Dir die großartige Möglichkeit in einem komplexen System von Für und Wider schneller einen Überblick und Klarheit zu erlangen.

Wie sind Deine Erfahrungen? Gerne lese ich Deine Anregungen dazu!